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Argumente

Der Pflegenotstand in der Schweiz ist Realität

Die heutige Situation ist unhaltbar, weil die Zeit f√ľr eine gute, sichere und menschliche Pflege fehlt. Die Pflegenden sind chronisch √ľberlastet, ersch√∂pft und frustriert. Viele gut ausgebildete Pflegende verlassen den Beruf nach wenigen Jahren.

  • Wachsender Pflegebedarf. Die Zahl der pflegebed√ľrftigen Menschen nimmt massiv zu. Die Menschen werden immer √§lter und brauchen mehr professionelle Pflege.
  • Zunehmender Fachkr√§ftemangel. Der Pflegenotstand ist l√§ngst Realit√§t. Aktuell sind √ľber 11'700 Pflegestellen in der Schweiz unbesetzt, davon 6'200 f√ľr Pflegefachpersonen.
  • Der Bedarf an zus√§tzlichen Pflegenden ist hoch. Zwischen 2019 und 2029 braucht es zus√§tzlich 70'500 Pflegende, davon 43'200 Pflegefachpersonen.
  • Geringe Berufsverweildauer. √úber 40 Prozent der Pflegenden verlassen den Beruf fr√ľhzeitig, ein Drittel von ihnen ist j√ľnger als 35 Jahre.

Ein JA zur Pflegeinitiative sichert die Pflegequalität!

Die Pflegeinitiative will den Pflegenotstand beseitigen und die Qualität der Pflege sichern. Am 28. November 2021 kommt sie zur Abstimmung. Die Pflegeinitiative fordert:

1. Mehr Pflegende ausbilden - Ausbildungsoffensive starten

Bund und Kantone m√ľssen in die Ausbildung investieren. Mit mehr Ausbildungspl√§tzen und besseren Ausbildungsl√∂hnen l√§sst sich die Zahl der Berufseinsteiger: innen erh√∂hen.

2. Berufsausstiege verhindern - Arbeitsbedingungen verbessern

Es braucht eine verlässliche Zeit- und Dienstplanung, familienfreundliche Strukturen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten. Der Lohn muss den hohen Anforderungen und der grossen Belastung entsprechen.

3. Pflegequalit√§t sichern - gen√ľgend Pflegende garantieren

Es braucht gen√ľgend Pflegefachpersonen auf allen Abteilungen, damit die Pflegequalit√§t gesichert werden kann. Voraussetzung ist die angemessene Finanzierung der Pflegeleistungen.

FAQ

Wieso reicht der vom Parlament beschlossenen Gegenvorschlag nicht?
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Der vom Parlament erarbeitete indirekte Gegenvorschlag konzentriert sich auf die Ausbildung neuer Pflegefachpersonen. An der chronischen √úberlastung der heute t√§tigen Pflegenden, ihren schwierigen Arbeitsbedingungen und den vielen fr√ľhzeitigen Berufsausstiegen √§ndert sich nichts. Es fehlen Massnahmen, um die Arbeitsbedingungen der Pflegenden zu verbessern, die heute im Beruf t√§tig sind. Es fehlen Massnahmen, um fr√ľhzeitige Berufsausstiege zu verhindern und es fehlen Massnahmen, um die Pflegequalit√§t zu sichern. Darum braucht es ein Ja zur Pflegeinitiative.

Eine Berufsgruppe gehört nicht in die Bundesverfassung!
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Die Verfassung legt fest, wie unser Gesundheitswesen ausgestaltet wird. Hinter einer medizinischen oder pflegerischen Leistung stehen immer Berufsgruppen. Im Artikel BV 117a steht, dass die Hausarztmedizin ein wesentlicher Bestandteil der Grundversorgung ist. Die Hausarztmedizin wird auch von Haus√§rzt:innen ‚Äď also einer Berufsgruppe - umgesetzt.

Alle Vorst√∂sse zur St√§rkung der Pflege haben Parlament und Bundesrat abgelehnt, seit im 2014 der Art. 117 a Medizinische Grundversorgung der Bundesverfassung in Kraft getreten ist. Das ist im Interesse der pflegebed√ľrftigen Menschen unhaltbar, denn bereits heute besteht ein Pflegenotstand in der Schweiz und es braucht dringend Massnahmen, um die Qualit√§t der Pflege zu sichern. Die Volksinitiative ist auch die einzige M√∂glichkeit f√ľr Verb√§nde und Privatpersonen, die politischen Rechte wahrzunehmen.

Die Pflegeinitiative ist ein gewerkschaftliches Anliegen, das einzig diplomierte Pflegende stärkt. Denn nur diese Berufsgruppe ist im Verfassungsartikel explizit genannt.
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Die Pflegeinitiative will den Pflegenotstand beseitigen und sicherstellen, dass auch mittelfristig alle Menschen, die darauf angewiesen sind, gut gepflegt werden können.

Bez√ľglich der heute schon m√∂glichen Ausbildungswege √§ndert sich mit der Pflegeinitiative nichts. Es braucht gen√ľgend qualifizierte Pflegefachpersonen, weil auch die Pflegesituationen immer komplexer werden. Dass in der Schweiz verschiedene Wege zum Pflegediplom f√ľhren, ist eine Realit√§t. Dies √§ndert aber nichts an der Tatsache, dass die Kompetenzen aller Diplomierten in der Praxis dringend gebraucht werden, unabh√§ngig vom gew√§hlten Bildungsweg.

Die Diplompflege wird in der Verfassung genannt, weil wissenschaftliche Studien belegen, dass die Pflegequalität im stationären Bereich am kosteneffizientesten ist, wenn 80 Prozent der qualifizierten Pflegeleistungen durch diplomierte Pflegefachpersonen erbracht werden.

Ein Ja n√ľtzt allen Menschen, die heute oder in Zukunft auf Pflege angewiesen sind. Ein Ja n√ľtzt allen Pflegenden, weil mehr Pflegende ausgebildet werden, weil die Ausbildungsl√∂hne erh√∂ht werden, weil es wieder gen√ľgend Pflegende auf den Schichten gibt und weil damit die Pflegequalit√§t gesichert werden kann.

Wird die Pflegeinitiative angenommen, so dauert die Umsetzung viel länger als beim Gegenvorschlag, den das Parlament bereits angenommen hat.
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Das ist falsch. Wird die Pflegeinitiative angenommen, so ist der Bundesrat verpflichtet, innerhalb von 18 Monaten wirksame Massnahmen zur Behebung des Mangels an diplomierten Pflegefachpersonen zu treffen. So sehen es die √úbergangsbestimmungen vor. Gem√§ss dem Verfassungsartikel muss das Parlament die anderen gesetzlichen Grundlagen innerhalb von vier Jahren erlassen. Alle Forderungen werden in den √úbergangsbestimmungen konkret genannt. Massnahmen sind zu definieren bez√ľglich der Arbeitsbedingungen, der Pflegepersonalausstattung auf allen Abteilungen und der angemessenen Finanzierung der Pflegeleistungen. Dabei kann das Parlament auf dem bestehenden indirekten Gegenvorschlag aufbauen.

Wird die Pflegeinitiative abgelehnt, so gibt es keinen indirekten Gegenvorschlag.
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Diese Aussage ist falsch. Sollte die Pflegeinitiative abgelehnt werden, so tritt der indirekte Gegenvorschlag des Parlaments mit grösster Wahrscheinlichkeit in Kraft. Aller Voraussicht nach wird kein Referendum ergriffen wird.

Ausländisches Personal kann den Pflegenotstand in der Schweiz lösen. Das ist ja heute schon so und muss nicht geändert werden.
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Die Rekrutierung im Ausland ist grundsätzlich problematisch, weil die Schweiz damit anderen Ländern Fachkräfte entzieht. Die Pflegenden werden grundsätzlich dort benötigt, wo sie ausgebildet werden.

Die Herkunftsl√§nder verbessern die Arbeitsbedingungen, damit sie die Abwanderung ins Ausland vermeiden k√∂nnen. Dies ist bereits zu sp√ľren. Es ist schwieriger geworden, offene Stellen mit ausl√§ndischem Personal zu besetzen. Auch deshalb sind 10'000 Pflegestellen unbesetzt.

Werden die Grenzen geschlossen und d√ľrfen Grenzg√§nger nicht mehr einreisen, dann bricht die Spitalversorgung in vielen Grenzregionen zusammen. Dieses Szenario ist seit Corona nicht mehr so abwegig wie fr√ľher. Die Schweiz darf in einem so wichtigen Bereich wie der Pflege nicht vom Ausland abh√§ngig sein.

Die Pflegeinitiative ist ein Fass ohne Boden. Die Kosten der Grundversicherung explodieren, wenn die Pflegeinitiative angenommen wird.
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Das Gegenteil trifft zu.

Die Kosten nehmen zu, weil die Menschen immer älter werden, weil es mehr chronisch und mehrfachkranke Menschen gibt und weil mehr Menschen in der Schweiz leben. Die Pflegeinitiative stellt sicher, dass alle Menschen auch in Zukunft Zugang zu einer guten Pflege haben.

Werden die Patient:innen besser gepflegt, so zahlt sich das auch finanziell aus. Die Investitionen in die Pflege lohnen sich auch, weil sie direkt mit Einsparungen verbunden sind: Es gibt weniger Komplikationen, weniger Fehler, weniger Spitaleinweisungen und eine geringere Aufenthaltsdauer im Spital.

Die Gesamtlohnsumme f√ľr das Pflegepersonal in Spit√§lern und Kliniken betr√§gt 17 Prozent der gesamten Betriebskosten. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Pflegequalit√§t am besten ist, wenn 80 Prozent der Leistungen von diplomierten Pflegefachpersonen √ľbernommen wird. Wird diese Vorgabe umgesetzt, so m√ľssen 10 Prozent der FaGe durch diplomiertes Pflegepersonal ersetzt werden. Die Lohnkosten steigen damit um 69 Millionen Franken pro Jahr. Ausgaben stehen einer Einsparung von ca. 357 Mio. Fr. gegen√ľber. Diese Zahl basiert auf einer wissenschaftlichen Analyse von effektiven Daten in 135 Akutspit√§lern bei 1.2 Millionen Patienten[1][2].

Die Studie InterCare[3] der Uni Basel zeigt, dass 42 Prozent der Spitaleinweisungen von Pflegeheimbewohner:innen vermeidbar wären, wenn in den Heimen mehr qualifiziertes Personal zum Einsatz käme[4]. Das Sparpotenzial beträgt jährlich wiederkehrend 100 Millionen Franken. Das Sparpotenzial bei Senior:innen, die noch zu Hause leben, wird auf 1,5 Milliarden Franken geschätzt1,[5].

Das Parlament hat sich auch zu einer Verlagerung von stationär zu ambulant entschieden. Obwohl die ambulanten Pflegekosten bei dieser Verlagerung steigen, nehmen die Gesamtkosten ab.

Auch die Berufsverweildauer hat erheblichen Einfluss auf den Bedarf nach beruflichem Nachwuchs. Gelingt es, die mittlere Berufsverweildauer um ein Jahr zu verlängern, reduziert sich der jährliche Nachwuchsbedarf um rund 5 Prozent. Wenn jede FaGe und jede Pflegefachperson ein Jahr länger im Beruf bleibt, so spart man jährlich wiederkehrend CHF 30 Mio. pro Jahr an Ausbildungskosten.


[1] Fact Sheet 7, 17.1.2020: Anzahl und Ausbildung von Pflegefachpersonen / Patienten ‚Äď Auswirkungen auf Qualit√§t und Finanzen (mit Referenzen) Link

[2] Michael Simon, Narayan Sharma, Michael Gerfin: Pflegepersonal und unerw√ľnschte Ereignisse in Schweizer Akutspit√§lern: Auswertung von Daten des Bundesamtes f√ľr Statistik Link

[3] https://intercare.nursing.unibas.ch/

[4] Muench, U., Simon, M., Guerbaai, RA. et al. Preventable hospitalizations from ambulatory care sensitive conditions in nursing homes: evidence from Switzerland. Int J Public Health 64, 1273‚Äď1281 (2019). https://doi.org/10.1007/s00038-019-01294-1

[5] Camenzind, M.: Analyse von Personalausstattung, unerw√ľnschten Ereignissen und Gesundheitskosten. Die Beweise liegen auf dem Tisch: Pflege spart Milliarden. In: Krankenpflege 09/2020 Link

Sind die Pflegelöhne zu tief?
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Die Pflegelöhne sind sehr unterschiedlich und hängen vom Ausbildungsstand, der Berufserfahrung, dem Bereich und der Region ab. Gemessen an der Verantwortung und der Belastung der Pflegenden, sind sie eher zu tief. Damit die Betriebe anforderungsgerechte Arbeitsbedingungen bieten können, braucht es eine höhere Finanzierung der Pflegeleistungen in allen Betrieben, die Pflegende beschäftigen.

Arbeitgeber ‚Äď Spit√§ler, Alters- und Pflegeheime und Spitex ‚Äď sind gegen die Volksinitiative, weil sie sich den Personalschl√ľssel nicht leisten k√∂nnen. Man kann nicht Personal auf Vorrat anstellen.
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Eine angemessene Abgeltung der Pflegeleistungen ist die Voraussetzung, damit die Spit√§ler, Psychiatrien, Rehabilitationszentren, Alters- und Pflegeheime sowie Spitex die Arbeitsbedingungen verbessern, gen√ľgend Pflegepersonal anstellen und angemessene L√∂hne bezahlen k√∂nnen.

Der Verfassungsartikel fordert, dass ¬ęeine gen√ľgende Anzahl diplomierter Pflegefachpersonen f√ľr den zunehmenden Bedarf zur Verf√ľgung steht und dass die in der Pflege t√§tigen Personen entsprechend ihrer Ausbildung und ihren Kompetenzen eingesetzt werden.¬Ľ

Die positive Wirkung eines Pflegepersonalschl√ľssels, einer Verh√§ltniszahl von Pflegefachpersonen zu Patienten, ist wissenschaftlich belegt. Die Pflegeinitiative macht √ľber die Zahl der Pflegenden bewusst keine Vorgaben. Der Pflegepersonalschl√ľssel ist pro Pflegebereich von den medizinischen und pflegerischen Fachpersonen zu definieren.

Eine unerwartete Kehrtwende hat am 16. September 2021 der Nationalrat gemacht. Er hat sich entschlossen, eine so genannte Nurse-to-Patient-Ratio einzuf√ľhren. ¬ęDiverse Langzeitstudien zeigen klar, dass die Anzahl diplomierter Pflegefachkr√§fte grosse Auswirkungen auf die Qualit√§t der Pflege und damit auf die Patientensicherheit hat. Die Einf√ľhrung einer "nurse to patient ratio" verbessert die Qualit√§t der Pflege nachweislich¬Ľ, so steht es in der Motion 19.4053, die der Nationalrat angenommen hat.

In seiner Antwort auf die dringliche Interpellation 21.4007 stellt der Bundesrat zudem in Aussicht, dass bereits 2022 einen Bericht verabschieden will, in dem die zu ber√ľcksichtigenden Elemente f√ľr eine situationsbezogene Personaldotation und weitere f√ľr die Pflegequalit√§t relevanten Komponenten dargelegt werden.

Ich st√∂re mich daran, dass sich viele Pflegende nicht impfen lassen. Das ist unsolidarisch gegen√ľber den Patient:innen
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Die grosse Mehrheit der Pflegenden ist gegen Covid-19 geimpft. In den Kantonen Z√ľrich und Solothurn liegt die Quote √ľber 80 Prozent. Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachpersonen (SBK-ASI) empfiehlt seinen Mitgliedern die Covid-19 Impfung und arbeitet seit Beginn in der Kommunikationskampagne des BAG mit. Der SBK spricht sich aber gegen Impfobligatorien aus. Wer sich nicht impfen lassen will, soll sich an die Teststrategie des Betriebs halten. Wichtig ist, dass die Schutz- und Hygienemassnahmen strikt eingehalten werden, um Ansteckungen zu vermeiden.